|
Ornatenton |
|||||
|
Stellung des Ornatentons.
Der Ornatenton ist Bestandteil einer Schichtgruppe des oberen Braunjuras, welche als Callovium, mit der Unterteilung in Unter - Mittel - und Ober - Callovium bezeichnet wird. Der Name Callovium ist dabei auf den Ort Kellaway in Südengland zurückzuführen, dessen Sedimente erstmals zur Typuslokalität für das Callovium erklärt wurden. Die Callovium- Sedimente haben ein Alter von 164,7 bis 161,2 Millionen Jahre und die darin enthaltenen Fossilien dokumentieren somit einen Entwicklungszeitraum von etwa 3,5 Millionen Jahre. In England stehen wohl die vollständigsten aufgeschlossenen Callovium - Sedimente an, die anhand gut unterscheidbarer Leitfossilien in 17 Subzonen untergliedert werden konnten. Das Unter - Callovium beginnt mit dem Macrocephalen - Oolith, der auch im Zollernalbgebiet hervorragende Fossilien enthält und setzt sich über die Zonen des Mittel - und Ober - Calloviums bis in den beginnenden Weißjura fort. Als obere Grenze des Calloviums ist die Lamberti - Knollenlage anzusehen, die bereits dem basalen Oxfordium zuzuordnen ist. Es handelt sich bei dieser Knollenlage um einen Aufarbeitungshorizont, in welchem die ursprünglich eingelagerten Fossilien wegen Sedimentationsauflösung umgelagert wurden. Als Ornatenton werden diejenigen tonigen Sedimente des Calloviums bezeichnet, die im Sinne Quenstedts den Braunjura zeta bilden. So zählen auch die "Goldschneckentone" der Frankenalb dazu. Die Sedimentation des Calloviums der Zollernalb besteht aus Ton - oder Siltstein, in welchem eine oolithische Bank (Anceps - Oolith) eingelagert sein kann. Die Sedimentation. Mächtigkeit und Erscheinungsbild variieren sehr stark. Es wurden 3 Meter bei Bopfingen, 4
Meter in der Wutachregion, 50 Meter hingegen im Oberrheintal bei Kandern oder 37 Meter im Zollernalbgebiet gemessen. Die Messungen in der Zollernalb erfolgten anläßlich von
Bohrungen zum Bau der Bodenseewasserversorgung und sind als aussagekräftig zu betrachten. Ähnliche Werte können am Plettenberg beobachtet werden. Dort liegen die
Callovium - Sedimente an einer Rutschzone im Quellgebiet des Wettbaches relativ frei. Dabei ist zu beobachten, daß der Macrocephalen - Oolith nur einige Zentimeter (30 - 40) mißt und auf
der Fuscus - Bank aufliegt (Schichtlücke im Bathonium). Unmittelbar über dem Macrocephalen - Oolith beginnen die tonigen Lagen (Tonstein) des Ornatentons, in denen in den ersten 1 bis 2
Metern noch kleine goldschneckenfarbene Macrocephalen (tumidus - Formen) auftreten. Nach etwa 17 bis 22 Meter schaltet sich als rotgelbes Band die Bank des Anceps - Ooliths ein.
Darüber folgen nochmals etwa 15 Meter tonige Sedimente, die sich langsam in Farbe und Konsistenz verändern und in den Glaukonitsandmergel übergehen. Die Grenze zum Weißjura
alpha (Lamberti - Knollenlage) befindet sich hier inmitten einer besonders zähen Tonsteinlage. Einige dieser Knollen (Phosphorit - Konkretionen) enthalten meist unkomplette Ammoniten wie
z.B. Quenstedtoceras lamberti. Mit etwas Finderglück ist auch der kugelige Cardioceras c.f. costicardia zu entdecken. Das Callovium ist weltweit verbreitet. Schon in früheren Jahren ist die sogenannte Kelloway -
Fauna folgender Gebiete miteinander verglichen worden: Innerrussisches Becken, Westrußland, Polen, Littauen, England/Schottland, Frankreich, Schweiz, Spanien, hoher
Norden (Franz Joseph Land), Indien, Himalaya, Indisch - Australische Inseln, Westaustralien, Neu Guinea, mehrere afrikanische Länder, Iran, Japan, Nord - Mittel - Südamerika oder Nord -
und Süddeutschland. Zum Erdzeitalter des Calloviums waren all diese Landmassen überflutet. Das ist bemerkenswert, und man kann heute davon ausgehen, daß damals die Polkappen
nicht vereist waren. Doch zurück zum Thema. Es wurden die Callovium - Fossilien aller Bereiche miteinander verglichen und es konnte festgestellt werden, daß zwar unterschiedlich
ausgeprägte Faunenprovinzen bestehen, Faunenelemente sich aber weitreichend und somit zusammenhängend weiterverfolgen lassen. Ein Teil der im Callovium auftretenden Ammoniten - Gattungen/Arten hat sich erst zur Zeit des
Calloviums entwickelt. Ihre Entwicklungsgeschichte ist meist in den Sedimenten jener Zeit dokumentiert. Manchmal kann sogar erkannt werden, in welchen Gebieten die
Gattungen/Arten ihre "Hochburg" hatten. Ein Beispiel dazu bieten die Cardioceraten, die im innerrussischen Becken mit vielen Arten und Formenvarianten auftreten, aber bei uns nur eine
unbedeutende Rolle spielen. Deshalb werden Cardioceraten als russisches Faunenelement angesehen. Wer heute den Ammoniten "Ornatus" zeigen will, der den bekannten einstigen Professor der
Mineralogie und Geologie an der Universität Tübingen, Friedrich August Quenstedt sicherlich zur Prägung des Namens Ornatenton veranlaßte, wird heute schnell mit der zwischenzeitlich
notwendig gewordenen Revidierung vieler Artnamen konfrontiert. Heute gilt als Kosmoceras ornatum ein kleiner und selten vorkommender Ammonit des pollux - Formenkreises, dessen
Hauptmerkmal die Knoten und reduzierte Berippung (Rippenrückbildung) sind. Diese Art wurde im Jahre 1820 durch v. Schlotheim festgelegt. Seine Fundstücke dazu machte er in der
Frankenalb. In der Schwäbischen Alb kann aber diese Form nicht eindeutig identifiziert werden, zumal Schlotheims Urstück kümmerlicher Natur ist und als Vergleichsmaterial wenig hergibt.
So handelt es sich bei Quenstedts Ammonites ornatus heute um Kosmoceras spinosum, bei Ammonites ornatus annulatus um Kosmoceras annulatum, bei Ammonites ornatus spoliatus um Kosmoceras spoliatum und so weiter. Tongestein. So sieht das Tongestein des Ornatentones im Oberflächenbereich aus, wenn es zu Tonbrei verwittert ist. Der Ornatenton bildet beispielsweise in der Zollernalb bei ca. 730 Meter über Meeresspiegel einen Quellhorizont aus. Deshalb entstehen manchmal kleine bis große Erdrutsche in diesem Gebiet, wobei das darüber anstehende Kalkgestein des Weißjuras über den Ornatenton rutscht und diesen verdeckt. Folge ist, daß Fundstellen im Ornatenton in der Zollernalb mehr als selten sind, weil sie durch anders Gestein verdeckt wurden. Besteht mal ein meist nur temporärer kleiner Aufschluß, dann ist die Fossiliensuche darin mit Schlamm und Spritzwasser verbunden und ist eine sehr schmutzige Angelegenheit. Der Lohn dafür sind dann die schönen Funde pyritisierter Ammoniten, die nur noch zu waschen sind und nicht erst mühsam präpariert werden müssen. Ehemaliger kleiner Aufschluß am einstigen Erdrutsch Thanheim:
Bemerkung. Die Kosmoceraten werden als Schwerpunkt meiner Sammlung als eigene Hauptseite abgehandelt. |
|||||